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Executive Order 13769
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Die Executive Order 13769 (englisch; oft auch als Muslim (travel) ban, travel ban oder immigration ban bezeichnet) war ein Dekret des US-PrĂ€sidenten Donald Trump vom 27. Januar 2017, das BĂŒrgern aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten 90 Tage lang, FlĂŒchtlingen 120 Tage lang und FlĂŒchtlingen aus Syrien dauerhaft die Einreise in die USA verbot.
Gegen das Dekret wurden breite öffentliche Proteste und mehrere juristische Klagen erhoben. Bis 2. Februar 2017 setzten Bundesrichter verschiedene Einzelbestimmungen des Dekrets auĂer Kraft. Am 3. Februar 2017 ordnete ein Bundesrichter an, sĂ€mtliche Einreiseverbote des Dekrets vorlĂ€ufig landesweit auszusetzen. Die drei Richter eines Berufungsgerichts bestĂ€tigten das Urteil am 9. Februar 2017. Trump kĂŒndigte zunĂ€chst weitere Rechtsmittel dagegen, dann eine Neufassung des Dekrets an. Trump hob es auf und ersetzte das Dekret am 16. MĂ€rz 2017 mit der Executive Order 13780. Am 24. September 2017 kam der travel ban in seine dritte Version, indem er durch die Presidential Proclamation 9645 weiter geĂ€ndert wurde.
Am 20. Januar 2021 hob der neue US-PrĂ€sident Joe Biden, noch am Tage seiner AmtseinfĂŒhrung, das Dekret auf.cite-ref-1[1]
Contents
âą Entstehung
âą Inhalt
âą Betroffene
âą Justiz
âą US-Regierung
âą Australien
âą Deutschland
âą Frankreich
âą Italien
âą Kanada
âą Ăsterreich
âą Russland
âą Schweden
âą Schweiz
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Entstehung
Seit 2015 betĂ€tigte sich Stephen Bannon auf dem Breitbart News Network als Trumps Wahlkampfhelfer und fĂŒhrte ihn mit einer Interviewserie nĂ€her an die Ideen seiner Alt-Right-Bewegung heran. Diese vertritt die Ideologie der White Supremacy, sieht den âjudĂ€o-christlichenâ Westen im Kulturkampf mit einem expansionistischen Islamismus und lehnt daher Einwanderung und HandelsvertrĂ€ge als âGlobalismusâ ab.cite-ref-2[2] In einem Interview vom November 2015 lehnte Bannon den Plan von US-PrĂ€sident Barack Obama, syrische FlĂŒchtlinge in die USA aufzunehmen, strikt ab und verlangte zudem, FlĂŒchtlinge gar nicht erst ins Land zu lassen. Sie nach ihrer Ankunft zu ĂŒberprĂŒfen sei zu teuer und zeitaufwĂ€ndig. Er schlug vor, jede Einwanderung in die USA einige Jahre lang zu unterbinden und so eine Abkehr vom Globalismus einzuleiten. Da Bannon im August 2016 eine fĂŒhrende Rolle in Trumps Beraterteam erhielt, werden Trumps Dekrete als Umsetzung dieser Ideen gedeutet.cite-ref-3[3]
Am 7. Dezember 2015, fĂŒnf Tage nach dem Terroranschlag in San Bernardino, forderte Trump in seinem Wahlkampf ein vollstĂ€ndiges Einreiseverbot fĂŒr Muslime in die USA fĂŒr eine unbestimmte Frist, damit Regierungsvertreter herausfinden könnten, âwas vor sich geheâ. Er begrĂŒndete dies mit TerroranschlĂ€gen, die muslimische BĂŒrger der USA begangen hatten, und mit einem vermeintlichen Hass in groĂen Teilen der in- und auslĂ€ndischen muslimischen Bevölkerung gegen Amerikaner. Aus demselben Grund hatte er zuvor bereits eine Ăberwachung von Moscheen in den USA und eine Registrierung von muslimischen US-BĂŒrgern verlangt. Nach seinem Wahlkampfleiter sollte das Einreiseverbot sowohl fĂŒr einwanderungswillige Muslime als auch fĂŒr Muslime mit Touristenvisum gelten.cite-ref-4[4]
Trumps Forderung stieĂ bei seinen AnhĂ€ngern auf Zustimmung, bei Gegnern und auch fĂŒhrenden Republikanern jedoch auf strikte Ablehnung. Mike Pence, Trumps Kandidat fĂŒr das Amt des VizeprĂ€sidenten, nannte einen Einreisestopp fĂŒr Muslime âverfassungswidrig und anstöĂigâ. FĂŒr Paul Ryan, republikanischer Sprecher des ReprĂ€sentantenhauses, stand Trumps Forderung im âWiderspruch zu Amerikas Wertenâ und diene ânicht den Interessen der USAâ.cite-ref-5[5]
Trump reagierte auf die Kritik und Ă€nderte seine Forderung 2016 im Wahlkampf mehrfach: Man mĂŒsse âAusnahmenâ zulassen (11. Mai), das Verbot âimmer flexibelâ handhaben (13. Mai), es sei nur ein bisher nicht durchgefĂŒhrter âVorschlagâ (16. Mai), es gelte nur befristet, bis man âdiese Leuteâ perfekt durchleuchten könne, es gelte fĂŒr âLeute aus Syrienâ und fĂŒr âbestimmte Gebieteâ, die eine âbewiesene Geschichte von Terrorismus gegen die USA und ihre VerbĂŒndetenâ hĂ€tten (13. Juni). Er bestritt, dass dies seine ursprĂŒngliche Forderung einschrĂ€nke; der Bezug auf Gebiete statt auf Muslime sei eher als Ausdehnung des Verbots zu sehen (24. Juli). GroĂbritannien, wo es auch TerroranschlĂ€ge gegen US-BĂŒrger gegeben hatte, schloss er auf Nachfrage davon aus (25. Juli).cite-ref-6[6]
Dagegen behauptete Trump nach der Bekanntgabe seines Dekrets am 27. Januar 2017 im Christian Broadcasting Network (CBN): If you were a Muslim you could come in, but if you were a Christian, it was almost impossible⊠(âWenn du Muslim warst, konntest du hereinkommen, aber wenn du ein Christ warst, war es fast unmöglichâ).cite-ref-7[7] Nach Angaben des Pew Research Center hatten die USA 2016 jedoch fast ebenso viele christliche wie muslimische FlĂŒchtende aufgenommen.cite-ref-spiegel-de-28-1-017-8-0[8]
Das Dekret wurde von Bannon und dem Politikberater Stephen Miller ausgearbeitet, ohne die Rechtsberatung der beteiligten Regierungsbehörden einzuholen. Das Justizministerium, Heimatschutzminister John F. Kelly, Verteidigungsminister James N. Mattis und der designierte AuĂenminister Rex Tillerson erfuhren den Wortlaut des Dekrets erst kurz vor oder bei der Unterzeichnung. Besonders Mattis und Tillerson sollen nach Angaben ihrer Mitarbeiter befremdet und verblĂŒfft darĂŒber gewesen sein. Auch fĂŒhrende Geheimdienstvertreter und Republikaner im US-Kongress wurden nach Eigenangaben nicht vorher konsultiert, nicht an der Formulierung beteiligt und nicht ĂŒber die Weise der AusfĂŒhrung informiert. Sie widersprachen damit Angaben des Regierungssprechers Sean Spicer, angemessene AusschĂŒsse und Ămter des Kongresses seien konsultiert worden. Senator Bob Corker (Senate Foreign Relations Committee) sagte, er habe erst aus den Medien vom Dekret erfahren. Das BĂŒro fĂŒr juristische Beratung (Office of Legal Counsel) des Justizministeriums widersprach Trumps Angabe, es habe das Dekret genehmigt: Sein PrĂŒfungsauftrag sei auf richtige Formulierungen begrenzt gewesen und habe keine politischen Fragen umfasst.cite-ref-9[9]
Der 27. Januar, an dem das Dekret öffentlich unterzeichnet wurde, ist der Internationale Holocaust-Gedenktag.cite-ref-datumskritik-10-0[10]
Inhalt
Zweck des Dekrets ist laut Abschnitt 1 und 2, die BĂŒrger der USA vor TerroranschlĂ€gen von AuslĂ€ndern zu schĂŒtzen. Trotz VerschĂ€rfungen seit dem 11. September 2001 hĂ€tten Personen, die mit Besucher-, Studenten- oder Arbeitsvisa oder als FlĂŒchtlinge eingereist seien, zahlreiche AnschlĂ€ge in den USA verĂŒbt.
Abschnitt 3 folgert: Die zustĂ€ndigen Ministerien sollten die zur Einreiseerlaubnis notwendigen Informationen fĂŒr BĂŒrger aus Staaten besonderer Besorgnis einholen, ĂŒberprĂŒfen und dem US-PrĂ€sidenten innerhalb von 30 Tagen darĂŒber berichten. Dazu setze er (Trump) die Einreise fĂŒr BĂŒrger solcher Staaten vom Datum des Dekrets an fĂŒr 90 Tage aus. Ausgeschlossen davon seien AuslĂ€nder mit Visa fĂŒr Diplomaten, der NATO, der UNO und G-1- bis G-4-Visa (Mitarbeiter internationaler Organisationen). Danach werde er die Einreise aus jenen Staaten verbieten, die bis dahin keine Informationen zu ihren einreisewilligen BĂŒrgern bereitstellen wĂŒrden. UnabhĂ€ngig davon dĂŒrften die zustĂ€ndigen Minister nach EinzelfallprĂŒfung Ausnahmen von diesem Einreiseverbot bewilligen.
Ferner ordnete das Dekret an, einheitliche ĂberprĂŒfungskriterien und Fragebögen fĂŒr alle Einreiseprogramme der USA festzulegen, um vorgetĂ€uschte IdentitĂ€ten und Absichten von Einreiseantragsstellern auszuschlieĂen (Abschnitt 4). Das FlĂŒchtlingsaufnahmeprogramm der USA fĂŒr 2017 sei neu zu ordnen und 120 Tage lang auszusetzen, um zusĂ€tzliche Verfahren zum Ausschluss von GefĂ€hrdern der nationalen Sicherheit festzulegen (Abschnitt 5a). Zugleich sollen die Ministerien Angehörige religiös verfolgter Minderheiten bevorzugen und entsprechende GesetzesĂ€nderungen vorschlagen (5b). (Gemeint sind nach Ansicht vieler vor allem Christen in Staaten mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit.) Die Einreise von syrischen FlĂŒchtlingen sei auf unbestimmte Zeit auszusetzen (5c), die Aufnahme von FlĂŒchtlingen seit 2017 auf 50.000 zu begrenzen. (Unter Obama hatten die USA 2016 85.000 FlĂŒchtlinge aufgenommen, die Aufnahme von 110.000 hatte er fĂŒr 2017 erlaubt.) Die Abschnitte 6â10 betreffen Verfahrensweisen, Berichterstattung an Trump und Informationen fĂŒr die Ăffentlichkeit ĂŒber die Zahlen von Ausweisungen, Radikalisierungen und geschlechtsspezifischer Gewalt bei Eingereisten (etwa âEhrenmordeâ).cite-ref-11[11]
Betroffene
Aus den betroffenen Staaten lebten 2017 rund 500.000 Menschen in den USA. Im Fall ihrer Ausreise hĂ€tten sie laut der Organisation ProPublica wegen des Dekrets groĂe Probleme, wieder in die USA einzureisen.cite-ref-mojo-12-0[12]
Ein Vertreter des Heimatschutzministeriums gab an, dass bis zum 28. Januar ungefÀhr 375 Reisende durch das Dekret unmittelbar betroffen waren. 109 seien in den Transitzonen von US-FlughÀfen festgesetzt und an der Einreise gehindert worden und 173 Personen seien am Besteigen eines Flugzeuges in die USA gehindert worden.cite-ref-13[13] Durch den Gerichtsentscheid aus New York kamen die Menschen in den Transitzonen frei.
Auf FlughĂ€fen weltweit herrschte Unklarheit darĂŒber, wie das Dekret umzusetzen sei. Auch Personen aus den betroffenen Staaten, die eine Green Card besaĂen, konnten zeitweise nicht mehr in die USA einreisen. Dies revidierte das WeiĂe Haus bis zum 30. Januar 2017.cite-ref-0-14-0[14] Die ursprĂŒngliche Einbeziehung von Green-Card-Inhabern in das Einreiseverbot war gegen internen Rat vorgenommen worden. Nach interner Debatte entschied das Heimatschutzministerium, Green-Card-Inhabern nicht schon den Abflug in die USA zu verbieten, sondern sie bei ihrer Ankunft in den USA einer weiteren EinzelfallprĂŒfung zu unterziehen. Im Widerspruch dazu wurde den Fluggesellschaften bis zum 30. Januar mitgeteilt, Green-Card-Inhaber seien vom Dekret nicht betroffen.cite-ref-15[15]
Nach Angaben der International Air Transport Association (IATA) wurden aus Iran und dem Irak einreisende Flugzeugbesatzungen wenige Tage nach Inkrafttreten des Dekrets nicht mehr in die USA gelassen. Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde habe die IATA sehr kurzfristig informiert. Einige Fluggesellschaften mussten ihre Besatzungen umstellen und konnten nicht mehr alle Passagiere befördern. Die Fluglinien Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways teilten Reisenden mit, sie benötigten eine Green Card oder ein Diplomatenvisum fĂŒr den Flug in die USA. Erwartet wurden auch EinbuĂen fĂŒr die Fluggesellschaften, da nach Angaben des US-Heimatzschutzministeriums allein 2015 35.000 Besucher aus der Islamischen Republik Iran in die USA geflogen seien.cite-ref-16[16]
ZunĂ€chst wurde auch BĂŒrgern eines der sieben Staaten mit doppelter Staatsangehörigkeit ein Visum fĂŒr die USA verweigert. Am 31. Januar stellte Heimatschutzminister John F. Kelly klar, dass Doppelstaatler, die mit dem Pass eines nicht vom Verbot betroffenen Staates einreisen, ein Visum erhalten wĂŒrden.cite-ref-17[17] Wie schon seit Februar 2016 mĂŒssten DoppelbĂŒrger mit Staatsangehörigkeit des Irak, Irans, Syriens und des Sudan ein Einreisevisum besitzen, da sie nicht mehr unter das Visa-Waiver-Programm fielen.cite-ref-18[18] Schon 2011 hatte das AuĂenministerium AsylantrĂ€ge aus dem Irak aus SicherheitsgrĂŒnden sechs Monate lang verstĂ€rkt ĂŒberprĂŒft.cite-ref-19[19] StaatsbĂŒrger des Jemen, Libyens und Somalias mit doppelter Staatsangehörigkeit könnten weiterhin unter dem Visa-Waiver-Programm einreisen, auĂer wenn sie seit MĂ€rz 2011 in eines der sieben betroffenen LĂ€nder gereist seien; in diesem Fall mĂŒssten sie ein US-Visum beantragen.cite-ref-20[20]
Das Dekret umfasste nicht die ebenfalls ĂŒberwiegend muslimischen Staaten TĂŒrkei und Vereinigte Arabische Emirate. Dass Trump diese Staaten ausschloss, erklĂ€rten manche Medienberichte mit einem Interessenkonflikt, weil dort Unternehmen Trumps ansĂ€ssig sind und er GeschĂ€ftsbeziehungen dorthin angestrebt hatte.cite-ref-21[21]
Reaktionen in den USA
Das Dekret sorgte in den USA fĂŒr Empörung, Proteste und Widerstand verschiedener gesellschaftlicher Bereiche.
Justiz
Der US-PrĂ€sident darf grundsĂ€tzlich Einzelpersonen oder Gruppen von AuslĂ€ndern die Einreise verweigern, wenn und solange er diese als schĂ€dlich fĂŒr die Interessen der USA erachtet.cite-ref-22[22] FĂŒr viele Juristen widerspricht das Dekret jedoch Grundprinzipien der Verfassung der USA wie dem Diskriminierungsverbot, etwa indem darin besondere religiöse Minderheiten bevorzugt wĂŒrden. Zudem verletze es das internationale Abkommen ĂŒber die Rechtsstellung der FlĂŒchtlinge und den Grundsatz der NichtzurĂŒckweisung nach der UN-Antifolterkonvention.
Gerichtsurteile zu Klagen von Einzelpersonen
Am 28. Januar 2017 ergingen drei Gerichtsurteile zum Dekret: Ein Bundesbezirksgericht in New York ordnete auf Antrag von zwei betroffenen Irakern an, Personen mit einer gĂŒltigen Einreiseberechtigung (Visum, Green Card, FlĂŒchtlingsstatus usw.) zunĂ€chst nicht in ihr Herkunftsland zurĂŒckzuschicken. Der United States Marshals Service sollte diese Anordnung mit den notwendigen MaĂnahmen vollstrecken.cite-ref-23[23] Die Anordnung wurde am 2. Februar bis 21. Februar 2017 verlĂ€ngert. Am 16. Februar 2017 wandten sich 167 US-Senatoren und Kongressabgeordnete sowie 34 StĂ€dte, darunter die MillionenstĂ€dte Chicago, Los Angeles, New York City und Philadelphia, mit zwei Stellungnahmen (Amicus Curiae Briefs) zugunsten der KlĂ€ger an das Gericht.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]
Eine Bundesrichterin in Virginia ordnete am 28. Januar 2017 an, AnwĂ€lten den Zugang zu den gerade am Washington Dulles International Airport festgehaltenen Green-Card-Inhabern zu gewĂ€hren und diese fĂŒr sieben Tage nicht auszuweisen.cite-ref-26[26] Die Anordnung wurde am 3. Februar 2017 fĂŒr weitere sieben Tage verlĂ€ngert und die Beklagten sollten eine Liste aller seit dem 27. Januar ab- oder ausgewiesenen auslĂ€ndischen Einwohner von Virginia offenlegen.cite-ref-27[27]
Ein Bundesrichter im Bundesstaat Washington urteilte, dass zwei am Seattle-Tacoma International Airport festgehaltene Reisende bis auf Weiteres nicht aus den USA abgeschoben werden dĂŒrften.cite-ref-28[28]
Am 29. Januar 2017 ergingen zwei weitere Urteile zum Dekret: Zwei Bundesrichterinnen in Massachusetts ordneten an, das Dekret dĂŒrfe sieben Tage lang nicht umgesetzt werden.cite-ref-29[29] Wegen dessen unbefristeter Suspendierung am 3. Februar 2017 wurde diese Anordnung nicht verlĂ€ngert.cite-ref-30[30] Eine Bundesrichterin in Kalifornien verfĂŒgte, dass ein am Abend des 27. Januar am Los Angeles International Airport gelandeter, aber bereits abgeschobener Iraner aus Dubai in die USA zurĂŒck zu transportieren sei.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]
Am 31. Januar 2017 ordnete ein Bundesrichter in Kalifornien an, dass alle BĂŒrger der sieben Staaten einreisen dĂŒrfen, denen vor dem Dekret ein Einwanderungsvisum erteilt worden war.cite-ref-33[33]
Verfahren âWashington v. Trumpâ
Am 30. Januar 2017 reichte Justizminister Bob Ferguson aus Washington eine Klagecite-ref-35[35] gegen das Dekret ein und beantragte auch vorlĂ€ufigen Rechtsschutzcite-ref-36[36] fĂŒr die Einwohner seines Bundesstaats. Das Dekret verletze den 5. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, die âEstablishment Clauseâ (Religionsfreiheit) im 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, das Einwanderungs- und NationalitĂ€tsgesetz und weitere Bundesgesetze. Die Washington State University und Unternehmen wie Amazon und Expedia unterstĂŒtzten die Klage, indem sie die SchĂ€den des Dekrets fĂŒr sich und ihre Angehörigen oder Mitarbeiter beschrieben. Der Bundesstaat Minnesota trat der Klage am 1. Februar 2017 bei.cite-ref-37[37] Am 3. Februar 2017 bewilligte Bundesrichter James Robart den Antrag auf vorlĂ€ufigen Rechtsschutz und hob damit ausdrĂŒcklich alle Einreiseverbote des Dekrets und die Aussetzung des FlĂŒchtlingsprogramms mit sofortiger Wirkung und landesweit auf.cite-ref-38[38]
Die Regierung beantragte am Folgetag beim zustĂ€ndigen United States Court of Appeals, Robarts Urteil aufzuheben, womit das Dekret, abgesehen von anderen Anordnungen von Bundesgerichten, die bisher weniger weit gehende EinschrĂ€nkungen enthielten, mindestens bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens weiterhin gelten wĂŒrde.cite-ref-39[39] Das Berufungsgericht lehnte die sofortige Aufhebung ab.cite-ref-40[40] Am 7. Februar erfolgte eine telefonische Anhörung der Vertreter beider Parteien. Am 9. Februar 2017 entschieden die drei Richter des Berufungsgerichts einstimmig, Robarts einstweilige VerfĂŒgung aufrechtzuerhalten. Als Hauptgrund nannten sie, dass die Regierung die ZustĂ€ndigkeit des Bundesrichters bestritten, aber keine Belege fĂŒr eine nationale Terrorgefahr aus den sieben Staaten vorgelegt hatte.cite-ref-41[41]
Am 10. Februar 2017 verlangte ein Richter des Berufungsgerichts, dass das Gesamtgericht entscheiden möge, ob die von einer Dreierkammer durchgefĂŒhrte Anhörung vor einer groĂen Kammer mit elf Richtern wiederholt werden soll. Die Parteien konnten sich bis zum 16. Februar dazu Ă€uĂern.cite-ref-42[42] Die Regierung gab an, dass der PrĂ€sident das Dekret demnĂ€chst widerrufen und durch ein neues ersetzen wolle. Das Berufungsgericht unterbrach daraufhin das Verfahren fĂŒr eine erneute Anhörung.cite-ref-43[43] Nachdem PrĂ€sident Trump am 6. MĂ€rz das Nachfolgedekret unterzeichnet hatte, zog die Regierung am 8. MĂ€rz ihren Einspruch gegen das Urteil zurĂŒck.cite-ref-44[44]
Weitere Klagen von Bundesstaaten und StÀdten
Am 31. Januar 2017 klagte San Francisco vor einem kalifornischen Bundesgericht gegen das Dekret, da es den 10. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verletze.cite-ref-45[45] Die Justizminister der Bundesstaaten New York, Massachusetts und Virginia kĂŒndigten am selben Tag an, den in ihren Bundesstaaten anhĂ€ngigen Klagen in den nĂ€chsten Tagen beizutreten.cite-ref-46[46] Am 3. Februar 2017 klagte auch Hawaii gegen das Dekret.cite-ref-47[47] Am 13. Februar 2017 wurde der 90-Tages-Einreisestopp fĂŒr Virginia auĂer Kraft gesetzt.cite-ref-48[48]
Zivilgesellschaft
â
Hauptartikel
:
âGegen das Einreiseverbotâ im Artikel Proteste gegen Donald Trump
Schon am Abend des 26. Januar 2017 wurde bekannt, dass Trump diese Executive Order verabschieden wollte. Daraufhin versammelten sich im Washington Square Park in New York viele Menschen. Der örtliche Council on American-Islamic Relations hatte kurzfristig zu einer Versammlung fĂŒr die Rechte von Muslimen in den USA aufgerufen.cite-ref-49[49]
Nach der Unterzeichnung protestierten in vielen StĂ€dten und FlughĂ€fen der USA mehrere tausend Menschen gegen den Erlass.cite-ref-50[50] FlĂŒchtlingsinitiativen und Organisationen amerikanischer Juden kritisierten das am Holocaustgedenktag erlassene Dekret als tragische Wiederholung des Emergency Quota Acts von 1921, der die Einreise von Einwanderern und FlĂŒchtlingen in die USA stark begrenzt hatte.cite-ref-datumskritik-10-1[10]
Kongress
Die republikanischen US-Senatoren John McCain und Lindsey Graham sprachen sich gegen das Dekret aus und nannten es eine âselbstzugefĂŒgte Wundeâ im Kampf gegen Terroristen.cite-ref-51[51]
Donald Trump twitterte, die beiden Senatoren seien schwach beim Thema Einwanderung. Sie sollten ihre Energien auf den Kampf gegen die Terrormiliz âIslamischer Staatâ richten, statt den dritten Weltkrieg zu planen. Graham antwortete: âHerr PrĂ€sident, ich will nicht den dritten Weltkrieg starten, ich will den Krieg gewinnen, den wir gerade fĂŒhren. Wir hatten acht Jahre Barack Obama, der nicht wusste, wie der radikale Islam zu besiegen ist. Man gewinnt diesen Krieg nur, wenn man Muslime an seiner Seite hat. ⊠Ihr Erlass war zu weitreichend, nicht ĂŒberprĂŒft, Sie haben sich nicht die Zeit genommen, die Sie brauchten, um etwas auszufĂŒhren, womit ich einverstanden bin.âcite-ref-52[52]
Am 30. Januar 2017 brachten die Senatoren Dianne Feinstein und Christopher Murphy sowie die Kongressabgeordnete Zoe Lofgren (alle zur Demokratischen Partei gehörig) jeweils eine Gesetzesvorlage zur Aufhebung des Dekrets ein.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]cite-ref-55[55]
Ehemalige Regierungsmitarbeiter
Am 30. Januar 2017, zehn Tage nach seiner Verabschiedung, lieĂ US-PrĂ€sident Barack Obama seinen Sprecher erklĂ€ren: Es gehe ihm (Obama) ans Herz, wie viele Menschen sich bei Demonstrationen und in sozialen Netzwerken fĂŒr politische Werte, Demokratie und den Schutz der Verfassung engagierten. Er sei âfundamental dagegen, Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Religion zu diskriminieren.âcite-ref-56[56]
âEs ist nicht nur unmoralisch und bescheuert, es ist auch kontraproduktivâ, sagte der ehemalige CIA-Terrorismusabwehr-Experte Patrick Skinner dem Magazin Mother Jones zu dem Dekret. Skinner arbeitet fĂŒr das Sicherheitsunternehmen Soufan Group. Er wies darauf hin, dass die USA militĂ€risches, nachrichtendienstliches und diplomatisches Personal in Syrien, Libyen und dem Irak hĂ€tten, das engstens mit dortigen Einwohnern im Antiterrorkampf zusammenarbeiten wĂŒrde. Noch nie seien die USA mehr auf Menschen aus diesen LĂ€ndern angewiesen gewesen. In dem Moment, in dem man diese Menschen am meisten brĂ€uchte, sage man ihnen, âwir haben euch verarschtâ.cite-ref-57[57]
In der Klage des Bundesstaates Washington gegen das Dekret wurde dem Berufungsgericht eine ErklĂ€rung der ehemaligen Minister und Behördenleiter Madeleine Albright, Avril Haines, Michael V. Hayden, John Kerry, John E. McLaughlin, Lisa Monaco, Michael Morell, Janet Napolitano, Leon Panetta und Susan E. Rice eingereicht, wonach das Dekret die Sicherheits- und AuĂenpolitik der USA nicht fördere, sondern schĂ€dige.cite-ref-58[58]
Wirtschaft
Vertreter von US-Unternehmen reagierten beunruhigt auf den Erlass. Howard Schultz, Chef von Starbucks, wandte sich mit âtiefer Besorgnisâ auf der Website des Unternehmens an seine Mitarbeiter und bezeichnete Trumps Erlass als verwirrend. Er kĂŒndigte PlĂ€ne an, um in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren 10.000 FlĂŒchtlingen Jobs bei Starbucks anbieten zu können.cite-ref-59[59]
âAs an immigrant and as a CEO, Iâve both experienced and seen the positive impact that immigration has on our company, for the country, and for the world. We will continue to advocate on this important topic.â
âAls Immigrant und CEO habe ich die positiven Auswirkungen, die die Einwanderung auf unser Unternehmen, das Land und die Welt hat, erlebt und gesehen. Wir werden uns weiterhin fĂŒr dieses wichtige Thema einsetzen.â
â
Satya Nadella
:
LinkedIn
Am 5. Februar 2017 reichten 97 Unternehmen, ĂŒberwiegend aus dem Silicon Valley, beim Berufungsgericht in San Francisco eine gemeinsame Stellungnahme (Amicus Curiae Brief) ein, mit dem Ziel, den gewĂ€hrten vorlĂ€ufigen Rechtsschutz aufrechterhalten zu lassen.cite-ref-62[62]cite-ref-63[63]
Wissenschaft
In einer Online-Petition verurteilten tausende Wissenschaftler und bisher 62 NobelpreistrĂ€ger das Dekret und forderten Trump auf, seinen Standpunkt zu ĂŒberdenken.cite-ref-64[64] 164 wissenschaftliche VerbĂ€nde forderten Trump in einem Brief vom 31. Januar 2017 auf, das Dekret zurĂŒckzunehmen.cite-ref-65[65] Die Association for Computing Machinery forderte die Aufhebung der VisabeschrĂ€nkungen mit Ablauf der 90-Tages-Frist oder frĂŒher.cite-ref-66[66]
Kultur und Religion
Der Erzbischof der Erzdiözese Chicago, Kardinal Blase Joseph Cupich, verurteilte das Dekret als eine die Muslime diskriminierende Politik.cite-ref-68[68] Auch Kardinal Donald Wuerl, Erzbischof von Washington, kritisierte Trumps Dekret und warnte vor einem Aufnahmestopp von FlĂŒchtlingen.
Der iranische Filmemacher Asghar Farhadi sagte seine Teilnahme an der Oscar-Verleihung am 26. Februar 2017 offiziell ab, selbst wenn er mit einer Ausnahmegenehmigung hĂ€tte einreisen dĂŒrfen. Sein Film âThe Salesmanâ war zu der Zeit fĂŒr den Oscar als âBester auslĂ€ndischer Filmâ nominiertcite-ref-69[69] (und gewann ihn dann auch).
US-Regierung
Trump begrĂŒndete das Dekret bei dessen Unterzeichnung damit, âradikale islamische Terroristenâ fernzuhalten.cite-ref-70[70] Nach Kritik bestritt er, dass es zu Chaos an FlughĂ€fen im Land gekommen sei. Die Regierung verwies darauf, dass 109 Flugreisende nach ihrer Festnahme inzwischen eingereist seien,cite-ref-71[71] und bestritt, dass das Einreiseverbot ein gegen Muslime allgemein gerichteter âMuslim banâ sei.cite-ref-72[72]
Die kommissarische Justizministerin Sally Yates kritisierte das Dekret und wies die AnwĂ€lte ihres Ministeriums am 30. Januar an, es juristisch nicht zu verteidigen. Daraufhin entlieĂ Trump sie mit der BegrĂŒndung, sie habe âdas Justizministerium verratenâ und sei âschwach beim Thema Grenzen und sehr schwach beim Thema illegale Einwanderung.âcite-ref-73[73]
Heimatschutzminister John F. Kelly entlieà auch Daniel Ragsdale, den Leiter der Einwanderungs- und Zollbehörde United States Immigration and Customs Enforcement. Dessen Nachfolger Thomas Homan solle helfen, die neuen Einwanderungsregelungen umzusetzen.cite-ref-74[74]
Mehrere Dutzend Diplomaten des US-AuĂenministeriums verfassten eine interne Protestnote gegen das Dekret: Es mache das Land anders als behauptet nicht sicherer. Der PrĂ€sidentensprecher Sean Spicer legte ihnen daraufhin nahe, ĂŒber ihren Austritt aus dem Dienst nachzudenken.cite-ref-75[75]
Auf die landesweite Aussetzung des Dekrets durch Richter James Robart reagierte Trump mit persönlichen Angriffen auf Twitter: âThe opinion of this so-called judge, which essentially takes law-enforcement away from our country, is ridiculous and will be overturned!â (deutsch: âDie Meinung dieses sogenannten Richters, die praktisch unserem Land die Durchsetzung von Gesetzen wegnimmt, ist irrwitzig und wird ĂŒberstimmt werden!â) Das wurde als Versuch verstanden, andere Richter einzuschĂŒchtern und die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz in Frage zu stellen.cite-ref-76[76]
Internationale Reaktionen
Das Dekret sorgte auch weltweit fĂŒr Empörung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen.
Betroffene LĂ€nder
In den betroffenen Nationen reagierten Politik und BĂŒrger meist verĂ€rgert, mindestens mit UnverstĂ€ndnis auf Trumps Erlass. In NachbarlĂ€ndern, dem wirtschaftlich starken und mit den USA eng verbundenen Saudi-Arabien und den Golfemiraten hingegen zeigte man sich unbeeindruckt.cite-ref-3-77-0[77]
Iran kĂŒndigte nach Bekanntwerden ein Einreiseverbot fĂŒr alle US-Amerikaner an.cite-ref-78[78] Die Beziehungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten sind seit der Islamischen Revolution 1979 durch Feindschaft geprĂ€gt. Die iranische Regierung gilt als UnterstĂŒtzer von Terrorismus. Trump stellte mehrmals das 2015 mit Iran geschlossene Atomabkommen in Frage.cite-ref-faz-14527631-79-0[79]
Der parlamentarische Ausschuss fĂŒr internationale Beziehungen des Irak forderte, dass gleiches Recht fĂŒr alle gelten mĂŒsse: Wenn PrĂ€sident Trump irakische StaatsbĂŒrger ausgrenze, sollten auch US-BĂŒrger nicht mehr in den Irak einreisen dĂŒrfen.cite-ref-tagesschau-80-0[80] âWir fĂŒhren Krieg stellvertretend fĂŒr die ganze Welt. Wir kĂ€mpfen an vorderster Front gegen die Terroristen, wir haben viele Opfer auf der eigenen Seite zu beklagenâ, sagte die irakische Parlamentarierin Hanan al-Fatlawi.cite-ref-3-77-1[77]
Das AuĂenministerium des Sudan bestellte den amerikanischen GeschĂ€ftstrĂ€ger ein und sprach âBedauernâ ĂŒber das Einreiseverbot aus.
Ebenso meldete sich das jemenitische AuĂenministerium zu Wort und warnte die USA davor, die Menschen in Jemen als âQuelle des Terrorismus und Extremismusâ zu diffamieren.cite-ref-3-77-2[77]
Zwischenstaatliche Organisationen
In einer gemeinsamen ErklĂ€rung des UNO-Hochkommissars fĂŒr FlĂŒchtlinge und der Internationalen Organisation fĂŒr Migration in Genf wurde PrĂ€sident Trump aufgefordert, die Tradition seines Landes bei der Aufnahme von FlĂŒchtlingen und Migranten fortzufĂŒhren.cite-ref-81[81]
Die Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit, eine internationale Organisation mit 56 Mitgliedstaaten, verurteilte das Dekret, das das Schicksal von FlĂŒchtlingen weiter verschlechtere und das Narrativ von Extremisten unterstĂŒtze. Sie forderte die US-Regierung auf, ihre Entscheidung zu ĂŒberdenken.cite-ref-82[82]
Die Interamerikanische Kommission fĂŒr Menschenrechte drĂŒckte am 1. Februar 2017 ihre Besorgnis ĂŒber dieses und andere Dekrete von PrĂ€sident Trump aus.cite-ref-83[83] Eine Gruppe von US-BĂŒrgerrechtsorganisationen forderte die Kommission auf, eine öffentliche Anhörung ĂŒber das Dekret zu veranstalten.cite-ref-84[84]
Terroristische Gruppen
Reporter des Online-Magazins BuzzFeed sprachen mit fĂŒnf gegenwĂ€rtigen und ehemaligen KĂ€mpfern des âIslamischen Staatesâ, die darin ĂŒbereinstimmten, dass die MaĂnahmen Amerika schaden werden. Das Dekret wĂŒrde das Narrativ ihrer Gruppen stĂ€rken, wonach die USA und der Westen nicht den islamistischen Terror, sondern den Islam als gesamte Religion bekĂ€mpfen. âTrump verkĂŒrzt die Zeit, die es brauchen wird, um unsere Ziele zu erreichenâ, sagte einer.cite-ref-mojo-12-1[12]
Australien
Der australische Premierminister Malcolm Turnbull wollte sich nicht ĂŒber das Dekret Ă€uĂern und sagte auf einer Pressekonferenz: âEs ist nicht meine Aufgabe als Premierminister von Australien, die Innenpolitik anderer LĂ€nder zu kommentieren.âcite-ref-86[86]
Deutschland
Die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte US-PrĂ€sident Donald Trump in einem Telefonat, dass sie ĂŒberzeugt sei, dass auch der notwendige entschlossene Kampf gegen den Terrorismus es nicht rechtfertige, Menschen einer bestimmten Herkunft oder eines bestimmten Glaubens unter Generalverdacht zu stellen, so der Regierungssprecher.cite-ref-87[87]
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz warf Donald Trump die Missachtung elementarer Werte der westlichen Staatengemeinschaft vor. Er laufe âmit der Abrissbirne durch unsere Grundwerteordnungâ, sagte Schulz in der ARD. âDass der PrĂ€sident der Vereinigten Staaten von Amerika schon in der ersten Woche seiner Amtszeit von einem Gericht in New York gestoppt werden muss, zeigt ja, was da los ist.âcite-ref-0-14-1[14] Alle Parteien im deutschen Bundestag lehnen das Dekret ab.
Der deutsch-irakische Schriftsteller Abbas Khider wies die BegrĂŒndung des Dekrets zurĂŒck:
â[âŠ] Einige LĂ€nder auf der Liste, die als gefĂ€hrlich eingestuft wurden, sind just die LĂ€nder, die mit der westlichen Welt gegen die Islamisten kĂ€mpfen, wie die Libyer und die Iraker. AuĂerdem sind einige dieser LĂ€nder schiitische Staaten, wie Iran, Irak und Jemen. Aber die Terroristen wie al-Qaida, Isis und viele andere Gruppen sind sunnitische Organisationen. [âŠ] das Absurdeste und LĂ€cherlichste, was die Weltpolitik je erlebt hat. [âŠ]â
â
Abbas Khider
:
Welt Online
Frankreich
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des deutschen AuĂenministers Sigmar Gabriel und des französischen AuĂenministers Jean-Marc Ayrault sagte letzterer, Trumps Entscheidung wĂŒrde Frankreich und Deutschland als VerbĂŒndete beunruhigen. PrĂ€sident François Hollande sagte: âWenn er die Einreise von FlĂŒchtlingen verhindert, wĂ€hrend Europa seine Pflicht getan hat, mĂŒssen wir reagieren.âcite-ref-89[89]
Italien
Der italienische AuĂenminister Angelino Alfano Ă€uĂerte bezĂŒglich des Dekrets, dass die EuropĂ€ische Union eigene Grenzbarrieren habe und nicht in einer guten Position sei, Meinungen ĂŒber die Entscheidungen anderer abzugeben.cite-ref-90[90]
Kanada
Am Tag nachdem Trump den Einreisestopp verhĂ€ngt hatte, erklĂ€rte Kanadas Premierminister Justin Trudeau, sein Land heiĂe FlĂŒchtlinge weiterhin willkommen. âAn diejenigen, die vor Verfolgung, Terror und Krieg fliehen, die Kanadier werden Euch willkommen heiĂen, unabhĂ€ngig von Eurem Glauben. DiversitĂ€t ist unsere StĂ€rkeâ, schrieb Trudeau auf Twitter.
Ăsterreich
Der damalige österreichische Bundeskanzler Christian Kern kritisierte das Dekret als ânicht akzeptabel,â wobei er insbesondere auf âeine Mitverantwortung [der USA] fĂŒr die FlĂŒchtlingsströmeâ hinwies und das Einreiseverbot daher als âaus jeder Verantwortung stehlenâ verurteilte.cite-ref-91[91]
Russland
Der Sprecher des russischen PrĂ€sidenten teilte mit, es sei nicht Sache Russlands, sich ĂŒber das Dekret zu Ă€uĂern.cite-ref-92[92]
Schweden
Die schwedische AuĂenministerin Margot Wallström begrĂŒĂte zwar, dass Schweden mit doppelter StaatsbĂŒrgerschaft von dem Dekret ausgenommen seien, hielt aber an der Kritik an dem Dekret als solches fest.cite-ref-93[93]
Schweiz
Der Schweizer AuĂenminister Didier Burkhalter forderte, die MaĂnahmen zur BekĂ€mpfung des Terrorismus mĂŒssen mit den Grundrechten und dem Völkerrecht vereinbar sein.cite-ref-94[94] Am 20. Februar 2017 wurde die Schweizer Regierung mit einer Petition von rund 9500 Unterzeichnern aufgefordert, den US-PrĂ€sidenten zur Persona non grata zu erklĂ€ren.cite-ref-95[95]
Vereinigtes Königreich
Die damalige britische Premierministerin Theresa May Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht ĂŒber das Dekret. Einige Tage spĂ€ter sagte sie im Unterhaus in London: âWir wĂŒrden das nicht tun. Wir glauben, dass es spaltend und falsch istâ.cite-ref-96[96] Der Speaker des Unterhauses John Bercow sprach sich am 6. Februar dagegen aus, Trump vor dem Unterhaus sprechen zu lassen.
In London demonstrierten am 4. Februar 2017 Zehntausende gegen das Dekret und die Einladung an Trump zu einem Staatsbesuch.cite-ref-97[97]
Umsetzung und Ersatz
Im Anschluss an die einstweilige VerfĂŒgung vom 3. Februar 2017 wurde das Dekret landesweit nicht mehr umgesetzt. Bereits am Folgetag konnten Staatsangehörige der betroffenen LĂ€nder und akzeptierte FlĂŒchtlinge wieder in die USA einreisen.cite-ref-98[98]
Am 24. Februar 2017 gab eine Quelle im WeiĂen Haus der Presse bekannt, Trump habe das Heimatschutzministerium beauftragt, ihm Daten fĂŒr ein neues Einreiseverbot zu liefern. Seit der Entscheidung des Berufungsgerichts vom 9. Februar arbeitete es an einem Bericht, der zeigen werde, dass die SicherheitsgefĂ€hrdung aus diesen sieben Staaten substanziell sei. Diese hĂ€tten alle Terrorismus in die USA exportiert, diese Gefahr sei in den letzten Jahren gestiegen. Das FlĂŒchtlingsprogramm sei ein bedeutender Brutkasten fĂŒr Terrorismus. Der Bericht werde nicht nur jene TĂ€ter berĂŒcksichtigen, deren Taten amerikanische Leben kosteten, sondern auch jene, die Menschen verletzten, gegen die wegen Beihilfen Ermittlungen eingeleitet und Strafurteile verhĂ€ngt wurden. Manche Geheimdienstmitarbeiter verstanden Trumps Auftrag als Versuch, sich nachtrĂ€glich Daten fĂŒr eine schon feststehende politische Absicht zu verschaffen. Ein bereits erstellter Bericht des Office of Intelligence and Analysis (I&A) im Heimatschutzministerium widersprach den Angaben aus dem WeiĂen Haus. Die QualitĂ€t und Aussagekraft dieses Berichts ist jedoch im Heimatschutzministeriums umstritten. Eine Quelle im Ministerium soll den Bericht als unvollstĂ€ndig zurĂŒckgewiesen haben. Dass Trump Berichte weiterer Behörden anforderte, verstanden manche Geheimdienstler als Versuch, âeinkaufen zu gehenâ und seinem neuen Dekret den jeweils fĂŒr ihn gĂŒnstigsten Bericht zugrunde zu legen.cite-ref-99[99]
Am selben Tag wurde jener vorlĂ€ufige dreiseitige Bericht aus dem I&A bekannt. Sein Ergebnis lautete: Staatsangehörigkeit sei kein zuverlĂ€ssiger Gefahrenindikator, BĂŒrger der sieben Staaten seien selten in TerroranschlĂ€ge auf US-Gebiet verwickelt gewesen. Ăber 41 von 82 an solchen AnschlĂ€gen Beteiligten seien in den USA geboren worden und somit US-StaatsbĂŒrger, acht in einem der sieben Staaten, keiner in Syrien. In vier dieser Staaten gebe es Terrorgruppen, die die USA bedrohten, in drei weiteren seien diese nur regional bedeutsam. Der Bericht war noch unvollstĂ€ndig, berĂŒcksichtigte nach Angaben aus dem Heimatschutzministerium nicht alle verfĂŒgbaren Geheimdienstdaten anderer Dienste und behandelte nicht die mögliche EffektivitĂ€t eines Einreiseverbots. Er stellt aber dessen Notwendigkeit in Frage und unterstĂŒtzt damit indirekt die Rechtsposition der KlĂ€ger dagegen in den laufenden Prozessen, die die nationale Sicherheit als Vorwand fĂŒr eine Muslime diskriminierende Reiseregelung betrachten.cite-ref-100[100]
Am 1. MĂ€rz 2017 wurde bekannt, dass das geplante neue Dekret nicht StaatsbĂŒrger des Iraks betreffen werde und Reisende mit bereits erteiltem Visum sowie Green-Card-Inhaber vom Einreiseverbot ausgenommen sein wĂŒrden.cite-ref-101[101]
Am 6. MÀrz 2017 erlieà PrÀsident Trump die Executive Order 13780. Sie ersetzte mit ihrem Inkrafttreten am 16. MÀrz 2017 das bisherige Dekret.cite-ref-102[102] Die Umsetzung ihrer umstrittenen Teile wurde am 15. MÀrz 2017 von einem Bundesgericht ebenfalls vorlÀufig untersagt. Die Einreiseregelungen des neuen Dekrets wurden danach, auch aufgrund mehrerer nachfolgender Gerichtsurteile, zunÀchst nicht angewendet. Am 26. Juni 2017 setzte der Supreme Court Teile des Einreiseverbots aus dem Executive Order 13780 vorlÀufig wieder in Kraft.cite-ref-103[103]
Entscheidung des Supreme Courts
| John Roberts Clarence Thomas Anthony Kennedy Samuel Alito Neil Gorsuch | Pro |
|---|---|
| Sonia Sotomayor Ruth Bader Ginsburg Stephen Breyer Elena Kagan | Kontra |
Am 26. Juni 2018 erklĂ€rte das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten mit 5 zu 4 Stimmen das Einreiseverbot in seiner dritten Version vom September 2017 fĂŒr rechtens.cite-ref-104[104]cite-ref-105[105] Die vier Gegenstimmen kamen von den Richtern Sonia Sotomayor, Ruth Bader Ginsburg, Stephen Breyer und Elena Kagan. WĂ€hrend die beiden letztgenannten in ihrem Dissens-Votum dafĂŒr plĂ€dierten, den Fall zurĂŒck an die Distriktgerichte von Hawaii und Maryland zu verweisen, mit der BegrĂŒndung, dass die bisherige Verfahrensweise nicht angemessen gewesen war, argumentierte Richterin Sotomayor (der sich Richterin Ruth Bader Ginsburg anschloss) grundsĂ€tzlicher. Sie verglich in ihrem Dissens-Votum die Entscheidung mit dem Fall Korematsu v. United States im Jahr 1944, in der damals der Executive Order 9066 von PrĂ€sident Franklin D. Roosevelt gutgeheiĂen wurde, der die Einweisung von Zehntausenden japanischstĂ€mmigen US-StaatsbĂŒrgern und Japanern in Internierungslager wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges anordnete â unter dem pauschalen Kollektivverdacht, dass sie fĂŒr den Kriegsgegner Japan spionieren wĂŒrden.
PrĂ€sident Trump lobte anschlieĂend die Entscheidung des Supreme Courts als âgewaltigâ (tremendous). Amerika mĂŒsse wissen, wer in das Land einwandern wolle.cite-ref-106[106]
Siehe auch
Weblinks
Commons
: Executive Order 13769
â Sammlung von Bildern und Videos
Wikisource: Executive Order 13769
â Wortlaut der Executive Order 13769 (englisch)
âą E.O. 13769 of Jan 27th, 2017. Publiziert in 82 FR 8977 am 1. Februar 2017.
Einzelnachweise
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